Sonntag, 23. April 2017

Fenchel for president

In Zeiten, in denen jeder und alles Präsident werden kann, muss ich mich hier für die Nominierung des Fenchel einsetzen. Der Fenchel ist meines Erachtens ein unfassbar unterschätztes Gewächs. Kannte ich ihn bis vor ca. 5 Jahren bloß in Form von Tee als Medikation meiner ständigen Bauchweh, gehört er nunmehr neben Zucchini und Aubergine zu den meistverwendeten Gemüsen in meiner Küche. Und ich habe den Kampf aufgenommen, für ihn einzutreten und zu missionieren: Yes, Fenchel can!

Angefangen hat es mit dem Rezept aus meinem hochgeschätzten Lieblings-Kochbuch "Die echte italienische Küche". Dieses Buch hat eine ganz besondere Bedeutung für mich. Mein Vater hat sich anhand dieses Buches, nachdem meine Mutter weg war, das Kochen beigebracht. Das bot sich insofern an, als meine in Italien geborene Tante, seine Schwägerin, dieses Buch in und auswendig kannte und jederzeit bereit war, telefonisch Unterstützung zu erteilen, sollte es irgendwo haken. Erinnern wir uns gemeinsam an meinen Vater, erzählt zuverlässig (mindestens) ein Familienmitglied die Geschichte, da er meine Tante verzweifelt anrief und fragte, wie er denn bitte ohne jegliche Gramm-Angabe ein Bund Petersilie "feinwiegen" solle. Auf vielen Seiten dieses Buches finden sich also die Post-Its und Anmerkungen meines Papa, die von zunehmend mehr Koch- und Back-Veständnis zeugen, und das schließlich in die Bezwingung der Kuppeltorte ("Sahnesteif!!!!!!!!!!!!!"; "200g statt 100g Schokolade für die Glasur") mündete.

Dass meine Schwester, die auch sehr gerne kocht, mir nach seinem Tod dieses Buch überließ, hat mich damals sehr glücklich gemacht, und freut mich noch immer im Alltag.

Das Rezept also, das mir den Fenchel erstmals schmackhaft machte, stammt aus diesem Buch. Auch hier war es meine italienische Tante, die mich auf das Rezept aufmerksam machte. Sie und ihr Mann, der Bruder meines Vaters, sind die besten Köche, die ich kenne, und so probierte ich das Rezept etwas zögerlich aus. Es handelt sich um gratinierten Fenchel. Auf einer Tomatensauce wird der leicht vorgegarte Fenchel gebettet, und dann kommt der Clou: In der Pfanne werden Semmelbrösel angeröstet gemeinsam mit Knoblauch, etwas Zwiebeln und Salz. dann wird Parmesan untergehoben und zuletzt mit Petersilie abgeschmeckt. Diese Mischung wird auf dem Fenchel verteilt, bevor das Ganze noch mal in den Ofen kommt. Nach 20 Minuten ist das Wunder vollbracht und es darf probiert werden. Der Fenchel offenbart gemeinsam mit der knackigen Parmesan-Semmelbrösel-Schicht ein unfassbares Aroma. Die Tomatensauce sorgt für die notwendige Frische. Sie müssen das probieren, wirklich! Die genauen Mengenangaben liefere ich auf Anfrage gerne nach, denn auch ich habe meine Spuren im Kochbuch hinterlassen: "Semmelbrösel- und Parmesan-Menge verdoppeln!!!!!!!"

Heute also bin ich wieder einen Schritt weitergekommen in meiner Mission. Meiner Schwester empfahl ich ein ebenfalls geschätztes Rezept. Bei einem befreundeten Paar hatte ich hiermit schon Erfolg - die beiden kochen das nun alle zwei Wochen, wie ich hörte. Jedenfalls erreichten mich nun nicht nur von meiner Schwester Begeisterungsrufe über das Sonntags-Essen, sondern auch ihr Freund meldete sich eigenständig bei mir, was er nie tut und dann nur aus gutem Grund. Es muss wohl wirklich lecker gewesen sein!

Finocchio for president!

 





Kommentare:

  1. Oh, das kann ich alles (alles!) so gut nachvollziehen: Fenchel war für mich immer schon bäh!, obwohl ich als Kind nicht mit dem später allüberall hochgepriesenen Fencheltee gefol...äh, versorgt wurde. Ich mag einfach keine Zutten, die den Geschmack von allem anderen überdecken: Koriander, Fenchel, Ingwer, Anis, Salbei und Lavendel waren lange meine erklärten Feinde, richteten sie doch in den falschen Händen Geschmacksdesaster an wie parfümierte Seife im Mund.
    Bis ich im Restaurant Limeri (Ludwigsallee in AC) ein großartiges Fenchel-Gratin als nicht angekündigte Beilage bekam: Da war es um mich und meine mühsam erarbeiteten Essens-Vorurteile geschehen. :-D

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    1. Das Limeri liegt auf meiner Laufrunde! Unglücklicherweise laufe ich morgens, sodass ich abends wieder vergessen habe, dass ich da immer mal essen gehen wollte :-) Ich glaube, die haben manchmal auch Buffet? Aber alleine, dass dort Fenchel serviert wird, macht die Küche natürlich sofort sympathisch!

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  2. Ich würde mich sehr über nähere Rezeptangaben freuen. Bisher bereite ich Fenchel ausschließlich mit Tomaten und Schafskäse zu, das wird mir aber schon seit ein paar Monaten langweilig. Gratiniert mit Semmelbröseln und Parmesan klingt köstlich!

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  3. Bitte entschuldigt vielmals meine so späte Antwort. Ich dachte, mein Blog würde mir bei den ersten Kommentaren ein kleines Feuerwerk abfackeln oder zumindest bescheid geben. Nix!
    Daher jetzt viel zu spät das Rezept für 4 Vorspeisenportionen oder 2 Hauptspeisenportionen
    4 Fenchelknollen waschen, halbiere, harten Strunk entfernen.
    Für 20 Minuten in Salzwasser kochen. Derweil eine Tomatensauce (ihr wisst schon,1 Dose Tomaten, Knobi, Olivenöl, Salz, Zucker) zubereiten und in eine Auflaufform geben. Die Fenchelhälften darauf legen und schon sind wir beim Highlight: In einer Pfanne werden in heiße 3 EL Olivenöl 4 EL Semmelbrösel eingerührt. Goldbraun rösten, aber Achtung, das brennt WIRKLICH schnell an! Eine kleine Zwiebel, 2 Knobizehen, 1Bund glatte Petersilie sehr fein hacken und zusammen mit 3 EL Parmesan unter die Semmelbrösel mischen. Das ganze kommt jetzt für 20 Minuten in den Ofen und darf dann genossen werden. Ich habe jetzt die rezeptgemäße Menge der Parmesan-Semmelbrösel-Masse angegeben. Meiner Meinung nach sollte man die mindestens verdoppeln! Für mich ist das dann eine Hauptmahlzeit. Keine Nudeln, kein Fleisch. Der Fenchel allein ist hier der Star! Guten Appetit und lasst mich wissen, wie es geschmeckt hat!

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  4. Dankeschön! Werde ich ausprobieren, wenn ich mal wieder Fenchel in der Gemüsekiste habe!

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  5. Mir ging es genauso mit Fenchel, mag ihn erst seit wenigen Jahren. Und da DAS Kochbuch auch in meinem Regal steht, werde ich mich alsbald über diese gratinierte Köstlichkeit hermachen... Danke für den Tipp!

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    1. Hihi, meine Lobby-Arbeit trägt Früchte! Guten Appetit!

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