Sonntag, 2. Juli 2017

Tour de Cœur 2017*

Nach Schlaf von 3 Uhr bis 8 Uhr, mit dem Ausblick auf eine übervolle Woche, sowieso mäßiger Laune und absolut keinen Aktien im Thema Radsport war meine Motivation, der Tour de France heute live beizuwohnen trotz des Event-und-"So-schnell-erleben-wir-das-nicht-wieder"-Charakters relativ schmal. Die paar Sekunden, die das Feld vorbeirauschen würde, okay, das guck ich mir an, aber mehrere Stunden vorher schon am Streckenrand die Beine in den Bauch stehen? Puh...
Nun ist es aber so: Wenn der Liebste so richtig aufgeregt ist und sich wie ein kleines Kind auf etwas freut, mich (was er selten tut) zu überreden versucht, dann kann ich nur sehr schwer Widerstand leisten. Ich witterte aber meine Chance und verhaftete ihn im Gegenzug für einen Cafe-Besuch. So machten wir uns gegen 12.30 Uhr auf den Weg Richtung Innenstadt. Nach lecker Cappu stellten wir uns dann in der Mostardstraße auf, wo tatsächlich schon einiges los war. Plätze in der ersten Reihe gab es aber noch für uns zwei.
Nach einer halben Stunde Warterei war ich kurz davor, meinen Wunsch, nach Hause auf die Couch zu meinem Buch zu gelangen, laut zu äußern. 
Als dann aber die ersten Autos und Mopeds der Entourage vorbeiknatterten, blitzte bei mir dann ein bisschen auf, was die Faszination an der Tour trotz aller Skandale, der zunehmenden Kommerzialisierung sowie z.T. verheerender Unfälle offenbar immer schon und noch ausmacht.
Es ist zum Beispiel dieser eine  Franzose, der sich heute aus seinem Begleitauto Richtung Zuschauer beugt. Freundlich bedeutet er seinem Fahrer langsamer zu werden. Es entspannt sich ein Gespräch zwischen ihm und einigen Zuschauern, ein Sprachenwirrwar aus Deutsch, Französisch und Englisch, bei dem sich alle gegenseitig bei fehlenden Worten unter die Arme greifen. Woher kommst du, wie heißt du, lebst du hier? Der Franzose erklärt, seit Kindertagen Aachen sehr gerne zu haben und schöne Erinnerungen mit dieser Stadt zu verbinden. Als sich sein Auto wieder in Bewegung setzt, formt er mit seinen Händen ein Herz und sagt "Ick liebe Aachen".
Er fährt weiter
- das durch ihn entfachte Gespräch unter den vorher einander fremden Zuschauern bleibt.
Karl trägt gelb.



* Den Titel dachte ich, selber erfunden zu haben. Als ich aber dann "Herz Französisch" zwecks Copy Paste googlete, weil ich auf meiner Tastatur keine Ahnung habe, wie ich œ erzeuge, stieß ich auf die die Schweizerische Herzstiftung. Wenn das mal kein Zufall ist!

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