Mittwoch, 12. Juli 2017

Sabine aus Aachen



Ich will gewiss keinen Nachruf schreiben. Marc und Uschi haben wunderbare Worte gefunden, aber ich? Nicht einmal persönlich habe ich Sabine gekannt, und so will ich ihr nur leise meine Gedanken hinterherschreiben. Schreiben ist erst mal für mich. Keiner muss mir zuhören, ich muss nicht lauter werden, um jemanden zu erreichen, der vielleicht nicht mehr in Aachen lebt, aber genauso traurig ist. Und wer mich nicht hören will, der liest einfach nicht. Ist das vielleicht das ganze Geheimnis dieses Internet? 

Gestern ist ohne jede Ankündigung die fabelhafte Sabine gestorben. Eine Frau des Internets, die es aber eben geschaft hat, die Gemeinsamkeiten, die sich im Internet zwischen den unterschiedlichsten Menschen auftun, auf eine reale Ebene zu bringen. Wie gesagt, gesehen haben wir uns nie, räumlich gesehen am nächsten waren wir uns wohl vor anderthalb Wochen, als sie am Markt und ich in der Mostardstraße die Tour de France verfolgten. Wäre ich doch kurz rübergegangen ...Wer ist ihre Familie? Ich weiß es nicht. Ihr Alter? War mir bisher unwichtig - auf Twitter kenne ich nur "Mag ich" oder "Mag ich nicht" und Sabine gehörte für uns alle zur ersten Kategorie.
Aber was Sabine alles für die Aachener Twitteria getan hat, habe ich trotz meiner noch recht kurzen Twitterhistorie auch selbst erleben dürfen. Insbesondere Sabines wirklich grandioses Projekt Wir leben AC, bei dem ein Twitter-Account unter lokalen Twitterern reihum gegeben wird, hat mir gezeigt, welche großartigen und unterschiedlichen Menschen sich allein aus Aachen und der Region auf Twitter tummeln. Dass ich selber sogar einmal diesen Account führen durfte, hat mir wirklich viel Freude bereitet - und nicht zuletzt eine Menge interessanter neuer Menschen für meine eigene Timeline.
Ganz eindeutig kann ich sagen: Ohne Sabine sähe meine Timeline anders aus. Ich bin mir sicher, für viele andere gilt das gleiche.Und viel wichtiger: Wenn ich sehe, welche Erinnerungen gerade auf Twitter geteilt werden, hat Sabine auch das echte Leben vieler Menschen bereichert durch zahllose Aktionen und Ideen.


Schon vor meiner Twitter-Zeit las ich regelmäßig Restaurant-Kritiken auf Aachen geht essen und profitierte damit also schon lange bevor Sabine mir auf Twitter begegnete von ihrem Engagement, ohne es zu wissen. 

Das nächste Twitteressen wäre meine nächste Challenge gewesen - essen unter Menschen, die ich nicht kenne, in einem Restaurant, das ich nicht aussuche. Vielleicht wird es ein nächstes Aachener Twitteressen geben, zu Ehren Sabines. Das würde ihr gefallen, da bin ich sicher.


Ist es Zufall, dass sie auf meinem Blog den allerallerersten Kommentar hinterließ? Ausgerechnet zu einem Post, der alles vereint, was mich in den letzten Jahren so auf Trab gehalten hat: Familie, Tod, Ernährung, Genuss. Ihr erster Satz zeigt, dass sie verstanden hat, dass da bei mir alles zusammenhängt. 

Ich wünschte so so sehr, ich hätte sie persönlich kennen gelernt. Glücklicherweise bleibt eine ganze Stadt, die über sie berichten kann. Ob geschrieben, wie bei Marc - oder eben beim nächsten Twitteressen.

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