Montag, 25. September 2017

Fortgeschritten

Wie schon berichtet wurde ich relativ nahtlos in die nächste Ehrenamts-Situation geschubst. Ich hing und hänge noch immer an dem Gedanken, dass ein Ehrenamt kein Job ist, bei dem sich ein Projekt an das nächste reiht bzw. reihen sollte. Aber auch hier gibt es Randbedingungen wie Versicherung der Ehrenamtler, Budgets (natürlich nicht zur Bezahlung der Ehrenamtler, die arbeiten ja ohne monetäre Entlohnung, wer hätte das gedacht, aber dennoch gibt es eine Person, die sich Vollzeit um das Ehrenamt-Projekt kümmert, darüber hinaus werden den Ehrenamtlern Bücher zur Verfügung gestellt und ab und an eine Schulung), eine begrenzte Anzahl von Räumen und und und.
Also stürze ich mich noch einmal in das Abenteuer und hoffe, dass meine Kräfte reichen und die sich mit der zunehmenden Dunkelheit der Tage andeutende Wiederkehr des ein oder anderen Tiefs nicht bewahrheitet, und ich das auch den Winter über durchstehe - nach Feierabend noch mal los, wenn es draußen schon dunkel ist, kalt und bäh.
Nach dem Kennenlernen letzte Woche fand heute die erste offizielle Stunde statt. Irgendwie war ich aufgeregter als damals bei Roza, vielleicht auch, weil ich direkt zwei Personen zusammen betüddeln müsste. Nicht zuletzt hatte ich seit gestern Abend darüber nachgedacht: Wahl ansprechen oder nicht? Und war bis zum Betreten des Klassenraums zu keinem Entschluss gekommen.  Irgendwie war mir dann aber sofort klar, dass G., deren Mann an der Uni arbeitet, so weltgewandt ist, dass sie zumindest mitbekommen haben würde, dass da eine Wahl stattgefunden hatte. So fragte ich beide, ob sie wüssten, was gestern gewesen sei, und ja: Sie wussten es. Nicht das Wort "Wahl" oder gar "Bundestagswahl",  aber ich war wirklich begeistert zu hören, dass auch A., seit nicht mal einem Jahr in Deutschland, das Wort "Partei" kannte und sogar die CDU. Sie hatte gestern mit ihrem Mann deutsches Fernsehen geguckt (hm, kennt jemand den Sender DW??) und das Ergebnis nicht so richtig kapiert, aber immerhin! Sie wurde dann total aufgeregt und fragte, ob denn bloß die CDU gewonnen habe. Die CDU, sagte sie, will, dass wir die Sprache lernen und arbeiten gehen. Mit der Forderung war sie sichtlich zufrieden. Also sprachen wir über das Ergebnis, ich erklärte, dass die CDU schon gewonnen habe, aber irgendwie auch nicht und zeichnete grob die Bundestagsverhältnisse auf. G. hatte durch ihren Mann von der AfD gehört, also besprachen wir - soweit die Worte reichten - wofür diese Partei steht und wofür nicht. In einem ehrenamtlichen Sprach-Hilfs-Kurs - kannste dir echt nicht ausdenken. Besonders entsetzt waren sie nicht über die 13%, ich bin mir aber auch nicht sicher, inwieweit sie die deutsche Geschichte kennen. Und sowieso: Was sind schon Zahlen, wenn einem beim Studieren in der Uni schon mal Bomben auf den Kopf gefallen sind.
Die übrige Zeit widmeten wir uns den Themen, die man für die erste Stunde so vermuten würde:  Familie, Anzahl Geschwister, und und und. Fast schon langweilig. Aber schon jetzt wird der Vorteil eines Kurses zu dritt klar: Man kann Fragen quasi im Dreieck stellen, sodass jeder mal fragt und antwortet, ohne dass es ein langweiliges Ping-Pong ist. Sehr angenehm.

Nach dem Einstieg heute, der eher für Fortgeschrittene (auf beiden Seiten) war, bin ich einigermaßen zuversichtlich, das noch mal hinzukriegen. 


Falls jemand Interesse bekommen hat, durch ehrenamtliches Engagement lernbegierigen Menschen Unterstützung zu bieten und nicht zuletzt das Gefühl, hier willkommen zu sein: Ähnliche Projekte gibt es in vielen Städten. Für Aachen empfehle ich die Sprachenakademie.



Donnerstag, 21. September 2017

Und wieder auf Null

Ein Ehrenamt ist auch nur ein Job. An die Konsequenzen, die damit einhergehen, muss ich mich erst gewöhnen. Irgendwie war es ja erst gestern, dass ich Roza kennen gelernt habe. Ihr Integrationskurs ist beendet, ihr "Anspruch" (natürlich ist es kein echter Anspruch, sondern auch ein bisschen Glück, in das Programm aufgenommen zu werden) auf ehrenamtliche Unterstützung erloschen. Besonders doof ist aber, dass die Sprachenschule zur Zeit keine Kapazitäten mehr hat, Wiederholerkurse anzubieten. Somit ist die Hürde für Roza, einen solchen noch einmal zu belegen, natürlich höher, als würde es einfach relativ nahtlos am bekannten Ort, mit ggf. bekannten Lehrern etc. stattfinden. Nein, leider nein. 
Somit besprach ich mit ihr, dass ich ihr einen Termin zur Beratung in einer alternatien Sprachschule vereinbaren würden. Der Termin stand, leider während meines Urlaubs, aber extra so gelegt, dass ihr Mann sie begleiten konnte, per whatsapp teilte ich ihr Ort und Zeit mit. 
Und: Sie ging nicht hin. Auf meine Nachfrage teilte sie mir mit, sie habe keine Adresse gehabt, nachweislich stand die im selben Text wie die Uhrzeit, nun gut. Ich gestehe ihr zu, dass es möglich ist, eine Adresse zu überlesen, aber dennoch habe ich selten so große Frustration verspürt wie in dem Moment. Ich schrieb der Sprachschule per Mail eine Entschuldigung für den geplatzten Termin und händigte Roza die Telefonnummer aus, unter der sie einen neuen Temrin vereinbaren könnte, wenn sie möchte. Seitdem versuche ich krampfhaft mich davon zu distanzieren, mich dafür verantwortlich zu fühlen, ihr nicht genug Motivation übermittelt zu haben, oder ihr sogar den Spaß am Deutsch-Lernen verdorben zu haben? Wir hatten in unseren gemeinsamen Stunden eigentlich immer viel Spaß und haben viel gelacht... An dieser Stelle reichen meine pädagogischen Laien-Kenntnisse eben nicht mehr aus, das versuche ich nun so zu akzeptieren. Ab und zu schreiben wir per whatsapp und bestimmt werde ich sie noch einmal besuchen. Als Ehrenamt vom Ehrenamt sozusagen.

Nun, das Ehrenamt ist ein Job. Ist das eine Projekt "fertig", kommt das nächste. Die emsige Projektleiterin der Ehrenamtsache hatte mich zeitgleich mit Rozas beendetem Unterricht gefragt, ob ich wieder jemaden zugeteilt bekommen möchte. Ich sagte kurzerhand ja, mit einem schlechten Gewissen Richtung Roza, und hatte am selben Tag noch den Vorschlag, im Mail-Postfach, es doch einmal mit A. und G. zu probieren. In einer Kleingruppe, Fokus aufs Sprechen. Roza war doch kein Projekt, denke ich... ich MUSS ihr doch noch so viel beibringen, erklären, zeigen, ...Wer soll das machen, wenn nicht ich?

Gestern dann lernte ich die beiden Neuen kennen, A. aus Syrien, G. aus Pakistan. Zwei wunderbare junge Frauen, A. mit 8 Monaten in Deutschland schon jetzt besser als Roza nach beinahe 2 Jahren. G. sehr still, dafür mit sehr guter Grammatik schon und einem großen Wortschatz. Sie ist schon länger in Deutschland, ihr Mann promoviert an der RWTH, und hat sie vor zwei Jahren hergeholt. Ihre Lehrerinnen waren jeweils dabei, wie damals bei Roza auch. Ein Deja-vu und die Frage: Schaff ich das noch mal?  

Als T. nach Hause kommt und fragt, sag ich "Nein, keine Kraft"
- und schreibe eine E-Mail: "Ja, ich mach´s". 

Mein schlechtes Gewissen treibt mich, Roza mal wieder bei whatsapp zu schreiben. Ihr gehe es gut, schreibt sie. Nein, einen Sprachkurs belege sie jetzt erst mal nicht.

Freitag, 15. September 2017

Settimana - aber subito KW37/2017

So, diese Woche bot echt mal wieder einen bunten Strauß an Herausforderungen. 
Nachdem ich am Montag noch Gelegenheit hatte, die Urlaubs-Abwesenheits-Vorkommnisse zu erfahren, E-Mails abzuarbeiten, ein paar dringende Sachen zu erledigen, und die Laboranten für den Rest der Woche einzuplanen, war ich ab Dienstag tagesfüllend zuerst mit Schulung und dann mit einem anschließenden Verbesserungsprojekt beschäftigt. Schon nach den Schulungstagen Dienstag und Mittwoch fühlte ich mich abends müde und ausgelaugt, darüber hinaus noch etwas kränklich. Das sich anschließende Verbesserungsprojekt toppte das dann aber noch. 


Zunächst hatten der Liebste und ich für Mittwochabend dann noch Karten für das Capitol-Theater, in dem die Konzertaufnahme aus Pompeji von David Gilmours letzter Tour gezeigt wurde. Wir haben selber bei dieser Tour David Gilmour live in Tienen gesehen, und so war die Kinovorstellung eine schöne Erinnerung daran. Gerne hätte ich noch mehr Aufnahmen von Aufbau und Proben gesehen.

Donnerstag startete dann das Projekt. Angeleitet von einem erfahrenen Projektmanager, der ausschließlich derartige Verbesserungsprojekte moderiert und innerhalb der Firmen-Familie DER Lean-Guru ist, arbeiteten wir in einem Team von etwa 20 sehr wild gemixten Personen an einem Produktionsprozess. Da dieser in meinen Bereich fällt, war ich vielleicht noch einmal besonders "engaged" und gefordert. Es hat mir aber auch richtig Spaß gemacht, den gesamten Prozess von Logistik, über Produktion, Vertestung, Freigaben, Verpackung einmal abzuarbeiten. Ehrlich gesagt weiß ich von den Prozessen wie WaWi und Verpackung sehr sehr wenig. Umso mehr hat es mich gefreut, dass alle Beteiliten, vom Director bis Lagermitarbeiter Hand in Hand miteinander gearbeitet, disksutiert, gelacht und nicht zuletzt gestaunt haben über den Prozess, der da tagein tagaus von uns umgesetzt wird. 

Nach diesem wirklich anstrengenden Akt der Prozessaufnahme, die viel Diskussion, Einholen von Informationen, Logik erforderte, kam ich gestern gg. 17.15h so müde nach Hause, wie noch nie nach einem Arbeitstag. Das ununterbrochene Kommunizieren, nur Englisch, Herumrennen etc. war wirklich anstrengend. Ich denke, dass ich auch einigermaßen engagiert bei so was bin und mich bemühe, immer wach und involviert zu sein und Ideen azubringen, wo es geht.Abends hieß es dann noch gemeinsam essen zu gehen. Nun, letztendlich waren wir dann nur eine Handvoll Leute, aber der Abend war dann unvorhergesehen witzig. Den Leiter des Projekts hatte ich schon die ganze Woche ins Herz geschlossen, und als er dann abends auch etwas privat erzählte, wurde er noch sympathischer. Wir hatten viel zu lachen, und das Essen war auch gut. (Sashimi und dann ein Steak hatte ich!)

Heute ging es dann weiter, und zwar mit dem Aufdecken der Verbesserungspotenziale. Mit dem Ausblick auf den Tag fiel es mir heute morgen wirklich schwer, beim Weckerklingeln aufzustehen. Da ich mit dem regulären Weckerklingeln um 7.15 Uhr im Büro bin, das Projekt um 9 Uhr aber erst weitergehen würde, "gönnte" ich es mir mal, zu snoozen. Der Liebste war etwas verwirrt, dass ich liegen blieb und fragte, ob Wochenende ist. Aber so im warmen, weichen Bett zu liegen und zu wissen, dass der Wecker in 10,9,8....Minuten erneut klingelt, das ist doch wirklich ....furchtbar??? Wie kann man denn diese Minuten genießen? Ganz schlimm. Ich bleibe beim Aus-dem-Bett-Springen, wenn der Wecker klingelt. So war ich dann um 7.30 Uhr im Büro und arbeitete fleißig, bis ich um 8.50 Uhr gemeinsam mit einem Kollegen rüber in den Besprechungsraum ging. Und wie es mein Glück so will, empfängt mich der Trainer mit den Worten "Oh Eva, I just decided to have the firsts person coming through the door go into the clean room and gather the still missing process times". Gratulation. Mein Kollege war noch einmal zurück gegangen, er hatte den Stift vergessen. So verbrachte ich die erste Stunde im Reinraum, stoppte Zeiten (ich durfte aber Unterstützung mitnehmen, und wählte meinen Kollegen, haha) und als ich wiederkam,  waren die anderen schon in der kreativen Phase angelangt und jetzt hieß es Brainstormen, Brainstormen, Brainstormen. Erst frei entlang des Prozess, später noch mit ein paar Kreativitätsmethoden. Gegen Mittag hatten wir dann mögliche Optimierungspotenziale aufgedeckt und priorisiert und dann war es tatsächlich geschafft. Gruppenfoto, Abschlussrunde und ....wieder ins eigene Büro. Spontan setzen meine beiden Kollegen udn ich uns noch zusammen, um die Wochenplanung zu machen ... und.... was soll ich sagen? Irgendwie brach sich die ganze Gestresstheit der Woche bei mir in einem völlig pubertären Lachanfall bahn, ausgelöst durch meinen Kollegen, der "noch was bauen wollte, um das lange Ding einzuspannen". Meine Kollegin stimmte irgendwann ungewollt in meinen Lachanfall ein, bis mein Kollege kopfschüttelnd vorschlug, Schluss zu machen für heute.
Gerne!!

Schönes Wochenende!

Nachtrag: Beim Einkauf bei   Lidl stand ich zum ersten mal in meinem Leben an der Kasse und wusste meine Pin nicht mehr! Peinlich. Ich konnte zum Glück auf eine andere Karte ausweichen, deren Pin ich glaubte zu wissen. Klappte dann auch ....


Dienstag, 12. September 2017

Cold Turkey

Der Titel kam mir heute während eines Trainings auf der Arbeit in den Kopf. Lean Management: Ganz vorne steht da der Leitsatz: "Get rid of waste", wobei waste hier alles bezeichnet, was dem Produkt keinen Wert hinzufügt. Also wenn man mal ehrlich ist so ziemlich.... Alles. In Zahlen: über 99% der Tätigkeiten, wobei natürlich ein Großteil der Tätigkeiten trotzdem notwendig ist (Klo-Putzen oder Mülleimer-Leeren fällt mir da gerade z.B. ein. Wenn dem Kunden auf der Rechnung diese Posten ausgewiesen würden, würde man sicherlich nicht auf Verständnis stoßen. Aber jeder weiß halt, dass diese Kosten sich irgendwo niederschlagen müssen). Eine besonders üble Form das waste jedoch sind inventories. Alles, was auf Lager liegt, bedingt nämlich weitere Arten des waste, z.B. Transport, Bewegung von Menschen, Wartezeiten durch Suchen, und und und. Das klingt alles in der schönen bunten Power-Point-Theorie sehr, sehr logisch und schlüssig. Der erfahrene Trainer, der auch eben Kaizen-Projekte begleitet und umsetzt, weiß aber auch, wie es mit der Praxis aussieht. Da sehr häufig das Vertrauen in die eigenen Prozesse fehlt, rechtzeitig eine ausreichende Menge an Gutteilen ausbringen zu können und die Liefertermine einhalten zu können, wird lieber ein möglichst großer Bestand aufgebaut. Den Weg, sich von der Gewohnheit der Überproduktion und Lagerhaltung zu befreien, vergleicht er mit "Cold Turkey". Schon so manchen Produktionsleiter habe er gesehen, der - nach Durchführung einer solchen Umstellung - doch wieder heimlich und inoffiziell neue Lager aufgebaut hatte. 

Auf Cold Turkey fühlte ich mich heute auch den ganzen Tag. Nicht nur, dass ich heute den ganzen Tag zwecks Schulung auf meinem Pöppes sitzen musste, statt an meinem Stehtisch arbeite zu können, nein: Ich hatte heute morgen auch die Vernunft Oberhand gewinnen lassen, und mich gegen Laufband/Fitnessstudio entschieden. Schon gestern Abend merkte ich ein Kratzen im Hals und die ganze Nacht über wachte ich immer wieder schwitzend oder frierend auf. 
Es gab Zeiten, da hätte ich nicht einmal darüber nachgedacht, bei derartig schmaler Symptomatik auf das Laufen zu verzichten. Also wirklich eigentlich ein Fortschritt. Schön war´s trotzdem nicht. Ich möchte nicht wissen, wie ein echter Cold Turkey, also einer nach einer Drogensucht, aussieht. Bei mir verursachen zwei Tage hintereinander ohne Laufen jedenfalls immer noch das Gefühl absoluter Nichtsnutzigkeit, Faulheit, Stress und ganz zu schweigen von den Gedanken "Wie und was soll ich denn dann heute essen". Im Zusammenhang mit der Schulung und gemeinsamen Mittagessen heute nicht die besten Voraussetzungen für den Tag. Den Vormittag über hampelte ich auf meinem Stuhl ziemlich rum. In der Mittagspause verwickelte mich dann noch ein Kollege, mit dem ich sonst wenig Kontakt habe, ausgerechnet in ein Gespräch über das Laufen, da ich bei uns den Firmenlauf organisiere. Lieb gemeint, netter Kollege, aber heute nicht mein Thema. Danke. Ich muss weg. 
Erstaunlicherweise wurde es nach dem Mittagessen dann aber besser und jetzt, gegen Abend, mampfe ich trotz allem meine heißgeliebten Milch-Freunde von Lidl, gleich chille ich mich auf die Couch und gönne meinem Körper auch morgen noch eine Sportpause.

Lauwarmer Turkey nur noch!



Sonntag, 10. September 2017

Müder Sonntag

Ich bin sehr, sehr müde. Und das, wo wir doch gerade aus dem Urlaub kommen. Das Ankommen fällt mir immer sehr schwer, und manchmal denke ich: Wenn man nicht wegfährt, muss man auch nicht wieder heimkommen - oder aber man dreht den Gedanken einfach um, und bleibt für immer weg? Doch ich habe da ja eine Vorbelastung mit einer Mutter, die dachte, die Heimat gegen ein Schiff zu tauschen, sei DER Deal, und erst später bemerkte, dass der Preis doch höher war, als zuvor angenommen. Nein. Urlaub ist für mich nur so lange ein solcher, wie ich ihn als Belohnung für und Erholen vom Alltag sehen kann.

Die Rückfahrt gestern war richtig nervig. Mit viel Stau auf dem Fernpass, vollen Autobahnen in Deutschland und viel Regen. Als wir heimkamen packten wir dann sofort die Sachen aus, da ich einmal im Wirbel-Modus war, bezog ich auch noch schnell die Betten, duschte, zwei Toast quer gegessen, und dann war auch schon Schlafenszeit. Immerhin überraschte mich heute Morgen das Wetter mit richtig guten Bedingungen für meine Laufrunde, sodass der Tag nicht ganz so trübe begann, wie erwartet. Nach dem Frühstück putzte ich die Wohnung, der Liebste schwang sich aufs Moutainbike (ich hatte ihn beim Wandern ein wenig damit getriezt, dass ich bergan schon ein wenig fitter bin mittlerweile als er ...) und nun ist der Sonntag bald schon wieder rum. Gerade setzte ich meinen ersten Sauerteig an, meine fabelhaften Freunde hatten mir nämlich eine riesige Kiste mit Back-Utensilien geschenkt. Nun wird er täglich gefüttert und ich freue mich schon, bald das erste Sauerteig-Brot backen zu dürfen. 

Morgen also hoffentlich ein ruhiger Start in die Woche. Ich habe leise Zweifel, da ich ab Dienstag für vier Tage eine Schulung habe, und mir nun den Druck auferlege, morgen alles an aufgelaufenen E-Mails abzuarbeiten plus dem, was sowieso ansteht...
Grandiose Aussichten. Immerhin mit einem kleinen Lichtblick am Mittwoch: Wir besuchen die Filmvorstellung im Capitol von David Gilmours Konzert in Pompeji!











 

Dienstag, 5. September 2017

WMDEDGT 9/17

Heute tatsächlich Mal ein WMDEDGT in der Urlaubsedition. Für eine Woche sind wir noch einmal in die Sonne nach Meran gefahren und genießen hier gute Luft, gutes Essen und gute Wanderungen.
Frau Brüllen weilt dagegen arbeitstechnisch in Italien. Ich sende baci und saluti.

7:00
Da wir um 22h sehr erschöpft nach einem langen Tag mit einer schönen Wanderung im Bett waren, bin ich um 7h hellwach.
Der liebste schläft noch und ich lese ein bisschen auf Twitter und im Internet.

8:00
Wir frühstücken lauter italienisches Zeug. Oliven, Mozzarella, Ricotta und so. Dazu Kaffee. Könnte uns schlechter gehen, auch bzgl. der Aussicht.

10:00
So richtig kommen wir nicht in die Gänge heute. Auf unserer kleinen Wandertour merken wir die Knochen von gestern und jch zusätzlich die Schürfwunde am Knie sowie eine Druckstelle am Fuß.
Der Hausberg ist dann nach einer Stunde erklommen und dann geht's wieder talwärts.

12:30
Mittagspause mit einem übrig geblieben Brötchen von morgens sowie Brot vom Vorabend. Jetzt kommt richtig schön sie Sonne raus und wir sitzen auf unserem Balkon. Leider schreddert nebenan jemand Holz, aber wir wollen nicht meckern.

14:30
Wir brechen auf Richtung Meran. Seit der Ankunft hier das erste Mal,dass ich keine Wanderklamotten trage. Aber trotzdem Turnschuhe, ich kenne mein Durchhaltevermögen bei Stadtrundgängen.

16:30
Wirklich nettes Städtchen hier. Aber sehr touristisch ausgerichtet mit teuren Cafes und den üblichen Läden. insgesamt wirkt hier alles aber deutlich italienischer als in unserem Bergdorf.

18:00
Unsere Füße sind platt. Wir treffen unsere Freunde, die zufallig ebenfalls hier im Urlaub sind für eine Pizza (meine erste Pizza, Na gut eine halbe, seit ....8 Jahren?) Lecker. Aber wird auch jetzt nicht mehr mein Lieblingsessen. Würde Pasta immer vorziehen.

20:00
Wir begleiten unsere Freunde noch für ein Stündchen in ihre Ferienwohnung um "Qwixx" zu spielen. Unser aller neues Lieblingsspiel, das ich sogar erst gerade von ebenjenen Freunden zum Geburtstag bekommen habe.

22:00
Bett. Morgen ist ein neuer (Wander)tag.

Mittwoch, 30. August 2017

Alt.

Mein Chef fragte mich nach meinem Geburtstag, ob ich nun eine Sinnkrise hätte, so mit dreißig. Vermutlich fragte er das, weil er zwei Wochen zuvor fünfzig geworden war. Als Wendepunkt hat sich mir der runde Geburtstag nun noch nicht präsentiert.
(Ehrlich gesagt ist mir vieles aus der Kindheit noch so präsent... Neulich überlegte ich kurz, welchen Tag haben wir heute, und dann zündeten plötzlich irgendwelche sehr sehr alten Synapsen in meinem Kopf, denn der nächste Gedanke war: Ah, Donnerstag, heute ist die neue Micky Maus in der Post. Kurzes Innehalten und Kopfschütteln. Bitte glauben Sie mir, dass die Micky Maus zu meinen Abonemments gehörte, ist wirklich schon 20 Jahre her. Also, das Gehirn ist eine wirklich spannende Sache.)
Wieso ich drauf komme... wir haben heute Konzertkarten für die Toten Hosen gekauft. Nach 40 Minuten hatten wir uns durch das Stop und Go des Servers gekämpft, parallel telefonierend, da der Liebste noch im Büro war. Und zum ersten Mal werde ich ein Konzert besuchen, indem ich auf einem Sitzplatz sitze. Ich bin mir sehr sicher, dass es mir im Stehraum bei einem Konzert dieser Art gruseln würde. In Menschenmaassen, die sich unkontrolliert bewegen, fühle ich mich SEHR unwohl. Zu stehen, wenn dagegen alle nur auf ihrem halben Quadratmeter rumschunkeln, damit habe ich gar kein Problem. Erstaunlicherweise unterscheiden sich auch die Preise nicht zwischen den Steh- und Sitzplätzen. Also, was soll der Geiz.
Ich freu mich. 

Nun, und weil ich so alt und weise inkonsequent bin, habe ich nun doch noch meine Mutter getroffen. Die Überlegung war letztendlich diese:Ich bin nun so gefestigt, meine Erwartungshaltung so auf Null herabgefahren, dass ich mir dieses Treffen nun doch leisten könnte und auf diese Weise dauerhaftes Grübeln ersparen würde "hätte ich nicht doch, was ist wenn was passiert, vielleicht ginge es mir besser, wenn..."
Nun. Sie kam auf einen Kaffee und blieb für einen Kaffee. Keine großen Überraschungen, muss ich sagen. Ein Gespräch kam durchaus zu stande, dafür ist es einfach zu normal, der Mutter gegenüber zu sitzen. Jedoch waren die Entschuldigungen recht knapp, und meine Bereitschaft, Entschuldigungen anzunehmen, nun endlich restlos erschöpft. Das habe ich gemerkt. Ich bin so müde und spüre weder dieses Gefühl "Oh, jetzt wird alles gut", wie so viele male zuvor, noch Angst bei dem Gedanken, dass diese Frau wohl nie mehr eine Stütze in meinem Leben sein wird. Sie denkt jetzt, ich bin ihr unendlich dankbar, dass sie bei 4 Terminen, die ich ihr für ein Treffen angeboten habe, den fünften 😉 wählte, für den sie ein Freundinnentreffen um ein paar Stunden verschob, während ICH einen Termin absagen musste. Ach, aber who cares... Ich bin zu alt für den Scheiß!