Freitag, 12. Januar 2018

Settimana - aber subito KW02/2018

Der letzte Ferientag, der Sonntag, ist für mich immer sehr hart. Klar, auch ich schlafe lieber ein, zwei Stunden länger, statt morgens um 5 zum Sport zu eilen und dann zur Arbeit. Auch bereitet mir nicht jeder Bestandteil meiner Arbeit Spaß, an manchen Tagen sehne ich den Feierabend herbei. Oft genug macht mir mein Tun aber auch riesigen Spaß und so ist das im Großen und Ganzen alles völlig in Ordnung so. 
Wirklich schlimm aber ist für mich, dass ich mir auch in dieser Beziehung wieder so viele Gedanken mache, was alles auf mich zukommen könnte, dass ich mir schon drei Tage vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn anfange, diesen herbeizusehnen. Dazu kommt, dass ich dieses Erzählen nach dem Urlaub/nach Feiertagen nicht mag. Nach Urlauben bin ich damit überfordert, meine Gefühle und Eindrücke in eine angemessene Menge an Wörtern zu fassen. Wenn man zu wenig erzählt, "war der Urlaub wohl ein Flop", erzählt man zu viel und verstrickt sich in einer zu langen Geschichte, wird das Gegenüber nervös. 
Nach Feiertagen habe ich wenig Lust auf das ewige Wiederholen "Nein, meine Mutter ist über Weihnachten NICHT nach Deutschland gekommen", "Nein, ich werde sie nicht stattdessen in Thailand besuchen", "Nein, auch meine Geschwister habe ich nicht gesehen". Die ungläubigen Gesichter kenne ich schon, weiter zu fragen traut sich dann keiner und ich werde mit dem Gefühl zurückgelassen, dass ich irgendwie zu bemitleiden bin. Und das, wo ich mit T. eine Familie gewonnen habe, die so viel kompensiert.
Neben diesen allgemeinen Gedanken kam dann hinzu, dass mein Kollege, der die erste Januarwoche gearbeitet hatte, dann aber mit meinem Arbeitsbeginn in Urlaub gehen würde, mir schon geschrieben hatte, dass er mir leider sehr viel Mist habe auf den Schreibtisch legen müssen, weil in der ersten Woche so wenig Leute da waren, und daher so wenig Möglichkeit zur Abwicklung von Sachen. 
Spitzen Voraussetzungen für den Montag. Aber es hilft ja nichts. 
Also kaum angekommen, packte ich nicht mal meine Tasche aus, ehe ich die ersten Feuerwehraufgaben in die Hand nahm. Die seit den Feiertagen erstmals an diesem Tag wieder besetzte Werkstatt bekam von mir einen Haufen Arbeit (aber auch eine Umarmung - da arbeiten die nettesten Menschen der Firma). Dann lief ich von hier nach da, holte Updates, Unterschriften etc. und dan war auch schon Mittag. Mit den Büro-Jungs kam es dann zum ersten Mal zum News-Austausch. Das ging dann auch ganz gut, in so ner Gruppe ist das ja meistens weniger anstrengend. Einer der Kollegen erinnerte sich sogar, dass in die Zeit der Todestag meines Papa fiel, und fand ein paar nette Worte. 
Wieder voll im Alltag angekommen. Ja ich bin ein Alltagsmensch.
Auch meine Deutsch-Schülerinnen traf ich dann nach Feierabend endlich wieder. Ich hatte sie schon ein wenig vermisst. G. hatte eine Präsentation über Pakistan vorbereitet. Das hat sie super gemacht, sowohl die Gestaltung als auch den Vortrag. Die Bilder, die sie aus ihrer Heimat gezeigt hat (Malakand) erinnerten mich an Yellowstone. Hätte das jemand gedacht? Wohl kaum. Gleichzeitig ist es sehr bedrückend und merkwürdig, dass sie von Orten und Städten spricht, die man sonst nur aus der Tagesschau kennt - und zwar nicht in einem positiven Zusammenhang.


Montagabend ärgerte ich mich vor dem Fernseher dann noch über das Thema bei Hart aber Fair. Meiner Meinung nach ist es nicht nötig, dieses Format auch noch für das Thema "Dicksein, Abnehmen, bla" heranzuziehen. Selbst wenn ich voreingenommen bin, auch fachlich war die Diskussion einfach ziellos und geradezu RTL-like. Allein dass es offenbar nötig ist, dass Plasberg geradezu reißerisch die später noch zu zeigenden Curvy-Model-Bilder anpreist! Ansatzweise Diskussionsbearf liefertn dann die paar Minuten, wo es um Datenschutz und Solidarprinzip geht. Das Vorgeplapper und die zuvor gezeigten Normalo-Fälle, um die es bei den Überlegungen von Krankenkassen nun wirklich nicht geht, hätte es da wohl kaum gebraucht. 
Auch so ist für mich diese Zeit anstrengend. Ungefragt erzählen mir Menschen von ihren guten Vorsätzen, die sich ausschließlich um Essen und Sport zu drehen scheinen. Behaltet das doch bitte für euch, ich möchte das wirklich nicht wissen.


Der Rest der Woche verlief einigermaßen arbeitsreich und ereignislos. So schnell geht das, dass man wieder im Laufrädchen ist.

Freitag, 5. Januar 2018

WMDEDGT 1/18

Juhu, auch im neuen Jahr lässt es Frau Brüllen zum Glück nicht bleiben, uns zum öffentlichen Tagebuch-Bloggen aufzufordern.  

06:00
Mein letzter Ferientag. Der Liebste hat sich einen Wecker gestellt, was er einmal im Jahr tun muss, wenn er vor mir aufstehen muss. Er geht heute arbeiten. Ich aber drehe mich noch einmal um, als er aus dem Bett steigt. 

07:00
Der Liebste verlässt das Haus heute früher als sonst, weil er einen Auswärts-Termin hat. Der Wetterdienst hat für heute Morgen mal keinen Regen vorausgesagt, daher will ich nicht ins Fitnessstudio, sondern an der frischen Luft laufen.  Dafür muss es aber noch heller werden. Also noch mal umdrehen. 

08:00
Langsam stehe ich auf, es dämmert ja immerhin. Ich ziehe meine Laufsachen an, aktualisiere meine Podcast-Liste und verlasse das Haus. 
Wie immer bringe ich meinen Puls in Gang, indem ich die Treppe vor unserer Tür, die mich direkt auf meine Laufrunde führt, hinauflaufe. Und - ich knalle hin. Die Treppe ist noch nass und ich kann mich gerade noch mit beiden Händen auf den Stufen aufstützen. Ich fluche laut, die linke Hand tut etwas weh, aber geht. Jetzt laufe ich also wirklich los. Aber heute ist echt der Wurm drin. Unten in der Soers ist es so unfassbar matschig, dass ich nicht viel Tempo aufnehmen kann. 

08:30
Ich bin froh,als ich wieder zu Hause bin. Die Schuhe stelle ich vor die Tür und hoffe, dass sie von Heinzelmännchen sauber gemacht werden (Spoiler: Das wird nicht passieren...!). 
Kaffee, Duschen, Frühstück.

10:00
Zum Todestag meines Papa hatten wir letzte Woche eigtl. Brokkoli-Torte machen wollen für unsere Freunde. Als "Gedenken" halten meine Geschwister und ich es so, dass wir an seinem Geburtstag und Todestag versuchen, etwas zu essen, was er besonders gern mochte oder gerne gekocht hat. Das finden wir eine richtig schöne Sache, wir schicken uns dann gegenseitig das Foto des Essens. Weil unsere Freunde letzte Woche dann aber leider beide krank waren, haben wir das verschoben. So gab es am Todestag selbst "nur" den von ihm geliebten Strammen Max.
Heute also gehe ich endlich für die Brokkoli-Torte einkaufen. Eins der Rezepte, die er immer und immer wieder für Gäste machte :) Ich bin so froh, dass ich ein Foto des von ihm handgeschriebenen Rezepts habe. Das Original ist hoffentlich noch irgendwo in den Untiefen der chaotischen Rezepte-Sammlung bei meinem Bruder. 



11:00
Mit dem Einkauf bin ich schnell durch. Daher wird jetzt noch ein wenig aufgeräumt, geputzt und dabei Podcasts gehört. Weil mein Handy mehr und mehr den Geist aufgibt (beim Laufen stoppt z.B. einfach immer wieder der Podcast, ultranervig), muss ich mich wohl oder übel jetzt damit beschäftigen, was für ein neues Handy ich mir zulege....

13:00
Brötchen.

14:00 
Ich bereite den Teig für die Torte vor und koche den Brokkoli kurz. Später, wenn meine Freundin schon etwas früher als unsere Männer kommt, will ich alles nur noch zusammenwerfen müssen.





18:00
Meine Freundin ist schon da, und wir setzen uns noch zum Quatschen. Obwohl wir erst Silvester miteinander verbracht haben, haben wir schon wieder viel zu besprechen. Ehrlich gesagt hatte ich in der Schulzeit nie Verständnis dafür, wenn sich Freundinnen, kaum dass sie sich in der Schule verabschiedet hatten, schon wieder anrufen mussten. Plötzlich aber habe ich da jemanden, mit dem ich das Gefühl habe, mich ununterbrochen austauschen zu können (das heißt aber nicht, dass ich plötzlich anfange gerne zu telefonieren!) Der Liebste kommt auch heim, verzieht sich aber dann aber nach oben, um uns nicht zu stören. Gefühlt nur kurz darauf klingelt es schon, und ihr Bald-Mann-noch-Verlobter steht vor der Tür. 
Das passt gut, die Brokkoli-Torte ist fertig. Leider war der Mürbeteig trotz Vorbackens nicht komplett dicht. Und auch die Springform nicht (oder sind Springformen nie dicht??) Ein bisschen der Sahnemasse ist nach unten ausgelaufen, aber das tut dem Geschmack keinerlei Abbruch. 3/4 sind aufgegessen.


22:30
Die Freunde verabschieden sich. Was für ein schöner Abend. Wir räumen noch die Küche auf, ich schreibe noch schnell den WMDEDGT zuende und dann ab ins Bett.




Samstag, 30. Dezember 2017

2017

Gefühlt blogge ich schon ewig, aber es ist nicht einmal ein Jahr her, dass ich mit dem Entschluss, endlich in Sachen Flüchtlingshilfe aktiv zu werden, den letzten Impuls hatte, diesen Blog zu starten. Und? Fazit? 

Bereichernd. Sowohl das Schreiben an sich, als insbesondere das Kommunizieren mit Lesern auf Twitter. Die Aachen-Community hat es mir wirklich angetan. Was für nette Menschen diese meine Lieblingsstadt doch zu bieten hat. 

Auch so habe ich Anfang des Jahres schon die Weichen gelegt, dass das Jahr anders wird. Genau vor einem Jahr, nämlich zwischen Weihnachten und Silvester, schrieb ich die E-Mail, die mich dann im Januar zur Ehrenamtlerin für Stützunterricht für Flüchtlinge werden lassen würde. Was für eine fabelhafte Entscheidung. Nicht nur, dass ich mich wunderbare Menschen kennengelernt habe durch dieses Engagement, nein, natürlich macht es auch etwas mit dem Selbstbewusstsein. Ich habe das Gefühl, dass ich persönlich durch mein Tun im Leben anderer Menschen etwas verbessern kann. Nach vielen Jahren, in denen ich mich bloß als Belastung fühlte (ein Teufelskreis übrigens: Schlechtes Gewissen erzeugt mehr Belastung für den Partner erzeugt mehr schlechtes Gewissen) ein Lämpchen, das ich mir in schlechten Zeiten immer wieder anknipsen kann. Ich habe nicht vor, damit aufzuhören!

Eine fantastische und aufregende Reise haben wir gemacht. Nach Namibia. Für mich eine rieeeeesige Herausforderung, für dene Liebsten die Erfüllung eines Traums, den ich ihm gerne ermöglichte. Nach ein paar Tagen hatte ich mich eingegroovt und konnte die unglaubliche Landschaft und die Zweisamkeit dann auch genießen. 







Weitere Reisen führten uns an die Mosel und nach Meran, wo wir uns zu Rad bzw. zu Fuß austobten.
 
Dieses Jahr ist seit vielen Jahren eines gewesen, in dem ich kein einziges Mal auf einer Waage gestanden habe. Auch so habe ich mir die ein oder andere Freiheit erkämpft. Und Kämpfen ist hier das richtige Wort. Ich habe das ein oder andere Mal wieder auswärts geschlafen, an so vielen Feiern, Grillabenden und spontanen Beisammenseins von Freunden teilgenommen, wie lange nicht mehr. Auch Gastgeber waren wir wieder häufiger - und es macht mir wieder Spaß. Nicht zuletzt weil ich eine neue Freundin gewonnen habe, mit der ich mich so unfassbar wohl fühle, dass ich für sie auch das mini bisschen an Spontanität, über das ich verfüge, zum Vorschein bringen mag. Aus jeder Etappe meines Lebens habe ich eine oder zwei sehr gute Freundinnen. Meine Kindergarten-Freundin, zwei Freundinnen aus der Schule (kennen gelernt haben wir uns mit der Wahl von Altgriechisch), eine sehr gute Uni-Freundin, die leider nun in den USA lebt - und jetzt auch eine Freundin aus dem After-Uni-Life. Das ist so fantastisch. Sie ist fester Bestandteil des engsten Freundeskreis und für mich oft der notwendige Schubs, um an den gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen. Und uns verbindet so viel, wie wir in zahllosen Cafe-Dates herausgefunden haben. Danke!

Das Jahr war abwechslungsreich und gut. Doch. Und 2018 wird noch viel aufregender.

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Was gut war an Weihnachten 2017


Weihnachten geschafft, und auch der 28. Dezember, der Todestag meines Papas, fast vorbei. Zeit und Muse für ein Review der letzten Tage. Nächstes Jahr werde ich erneut vor der Überlegung stehen, ob ich den gesamten Weihnachts-Familien-Zirkus wieder mitmache. Darum ist es vielleicht ganz sinnvoll, hier aufzuschreiben, was gut war an der Entscheidung, bei allem dabei zu sein. Meckern ist ja immer einfacher.

Also:
Was gut war an Weihnachten 2017

  • Die Freude des Liebsten, als ich meine Teilnahme an Weihnachten 2017 von dem ursprünglich geplanten Heiligabend mit Schwiegermutter und Bruder  (wir wollten sogar eigtl. noch nach Hause fahren) ausweitete auf drei Tage inkl. zwei Familientreffen und zwei Übernachtungen. 
  • Der gut gelungene Tannenbaum aus Blätterteig
  • Mein Geschenk: Eine Ultraschall-Zahnbürste. Juhuu, ich hatte nie zuvor so glatte Zähne!
  • T.s und mein obligatorisches Weihnachtsfoto, auf dem ich mich deutlich netter finde als vor zwei Jahren
  • Das Geschenk für die Schwiegermutter, ein elektrischer Milchaufschäumer, war offenbar passend.
  • T.s Bruder und ich haben T. und seine Mutter bei Tabu so richtig abgezogen.
  • Am ersten Weihnachtstag bei Ankunft im Sauerland die Oma des Liebsten für ihre beinahe 90 Jahre wieder munter und fidel vorzufinden. Und sie hat sich wirklich gefreut, dass ich entgegen der ursprünglichen Planung dabei war. Wer sonst hätte all die Plätzchen essen sollen? 
  • Auch mit T.s Vater, seiner Frau, der Tante und den Cousine war es dort einigermaßen angenehm. Alle hatten sich etwas mehr zu erzählen als in den Jahren zuvor. 
  • Dass T. mir zwischendurch zuflüsterte, wie nett und unterhaltsam er mich findet.
  • Dass wir uns ohne weitere Diskussion zwischendurch für einen Spaziergang davon machen konnten. 
  • Dass am zweiten Weihnachtstag bei der Familie mütterlicherseits der Liebste, ohne dass ich es wusste, noch einmal mit dem von mir gedichteten Doktorlied begrüßt wurde. (Wegen Schnee hatten die Tanten und Onkel nicht zur Feier kommen können.)
  • Zwischendurch ein Bild der neugeborenen gesunden Tochter meiner Freundin zu erhalten.
  • Mit meiner Lieblings(schwieger)tante über die Hochzeit zu quatschen. 
  • Den muffigen Opa mal etwas weniger muffig zu erleben.
  • Ohne Diskussion um 17 Uhr den Abgang machen zu können und dann mit einem guten Gefühl zu Hause anzukommen 





Donnerstag, 21. Dezember 2017

Things that make you go "hmmmm" (6)

Für manche Situationen braucht man einfach längen, um diese zu erfassen: Morgens um 5.15 Uhr den Kellerraum betreten, und den eigenen Kellerverschlag anders als erwartet vorzufinden, gehört dazu. 
Ein Fahrrad lehnte an der Tür unseres Verschlags - um das Fahrrad als das des Liebsten zu erkennen, benötigte ich schon ein paar Sekunden. Ansätze für Szenarien, die dies möglicherweise beschreiben könnten, zogen mir sehr kurz durch den Kopf: Hat er vergessen, es in den Verschlag zu fahren? Hatte er den Verschlag-Schlüssel vergessen? Pure Absicht wegen Faulheit? Das kann doch nicht sein, und dann zog mein Hirn den Schluss: Einbruch. Der sich beim Blick auf den aufgebogenen Riegel (Schloss intakt) bestätigte. Kurzes Herzklopfen und Fahrräder zählen. Das ist nicht so schwer seit dem letzten Einbruch. Seins, Meins. Alle da. Das ist doch verrückt. Alle Helme da, sogar noch die Schoner, die der Liebste gar nicht mehr nutzt, seitdem das Mountainbike perdu ist. 
Nachdem ich das gecheckt hatte, raste ich nach oben, weckte den Liebsten mit der schönen Nachricht des erneuten Einbruchs, beruhigte ihn aber direkt: Alles noch da.

Nach dem zweiten Einrbuch vor 2 Wochen, bei dem das nach dem ersten Einbruch wieder beschaffte Mountainbike des Liebsten erneut gestohlen wurde (und zwar auch hier NUR das), ist dann jetzt wohl spätestens klar: Das Bike war der einzige Grund für den Dieb, ein Risiko einzugehen. Seit dem letzten Einbruch steht mein Rad tagsüber alleine in der Kammer, da der Liebste mit seinem "Stadtrad" zur Arbeit fährt. Gestern aber war der Liebste ausnahmsweise einmal nicht mit dem Rad unterwegs wegen Dienstreise. Wie nah liegt hier die Vermutung, dass der Dieb regellmäßig vorbeischaute, ob das tolle Rad vielleicht wirklich noch einmal wiederbeschafft worden ist? Gestern dann hatte er vermeintlich Erfolg, denn es standen plötzlich wieder zwei Räder in der Kammer. Nicht mit absoluter Sicherheit identifizierbar wahrscheinlich- aber Grund genug, noch mal kurz einzusteigen. Dann stellte er beim Heraustragen wohl fest: Mist, das ist ja gar nicht das Goldstück - und ließ es zurück. Muss man nicht verstehen - denn Risikoaversion hin oder her - er war immerhin schon eingestiegen und hatte ein Fahrrad in der Hand

Aber ich will mich gewiss nicht beschweren - immerhin dieses mal NUR ein aufgebrochener Keller ohne Diebstahl. Irgendwann freut man sich ja über die kleinen Dinge. 
Die Ideen in der Mittagspause waren natürlich vielfältig. Den großen Fahrradkarton vom letzten Kauf mit einer roten Schleife zu versehen, "Für T. von E. 💗" drauf zu schreiben, im Keller zu verstauen und das Spektakel dann mit einer Kamera zu beobachten - das reizt mich ja schon ein wenig.

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Settimana - aber subito KW50/2017

Settimana aber subito heute schon am Donnerstag. Ich hab noch ein bisschen Zeit, ehe es zum Weihnachts-Mädchen-Plätzchen-Abend geht...

Der Crash-Kurs Thermodynamik am Wochenende hat sich bezahlt gemacht. Ich muss sagen, wenn man selber nicht darin geprüft wird, ist es eigentlich ganz interessant, und wer weiß wozu es gut ist, dass ich jetzt theoretisch wieder Clausius-Rankine und Carnot-Prozesse aufmalen könnte (naja wenn ich etwas länger drüber nachdenke, kenne ich die Antwort: Für nichts!)... Jedenfals war der Beisitzende Prüfer, der als Thermo-Prof im Anschluss an den Vortrag eben seine Thermo-Fragen an den Mann (den Liebsten) bringen wollte, so begeistert, dass er nach der Prüfung sagte, er hätte ihn ja auch gerne Maschinenbau studieren sehen. Als ich daraufhin aus dem Nähkästchen plauderte, dass die Entscheidung für Energietechnik und gegen Maschinenbau damals nur gefallen war, weil hier vor Aufnahme des Studiums KEIN Praktikum zu absolvieren war, guckte der Doktorvater ein bisschen schief, aber da war die Prüfung ja schon gelaufen und mit Bravour bestanden 😋

Die Prüfung war dann sehr sehr schnell vergessen, denn für den Liebsten jagte bald ein Ereignis das nächste: Kuchen und Sekt mit Familie und Profs, Empfang durch 40 Kollegen vor dem Dekanat, kurze Rede des Doktorvaters, 40 mal Umarmungen und Glückwünsche, den Doktorwagen bewundern, ein Bier öffnen, das von mir gedichtete und von allen gemeinsam gesungene Lied anhören, Bier, in den Doktorwagen, mit dem Dokorwagen zum Markt gezogen werden, mehr Bier, drei Runden um den Karlsbrunnen unter erschwerten Bedingungen (=Weihnachtsmarkt), sodass mir die Kollegen, die den Wagen ziehen mussten (immer die beiden jüngsten Doktoranden) echt leid taten, dann tat der Liebste mir Leid, denn jetzt hieß es, auf den Karlsbrunnen zu klettern, um Kaiser Karl zu danken und eine kleine Rede zu schwingen (mehr Bier). Ich konnte ihn gerade noch überreden, die feinen Lederschühchen zu tauschen, andernfalls wäre das für die Schuhe und ggf. auch für ihn nicht gut ausgegangen. Wie vielen Gästen wir in den letzten 5 Jahren beim Stadtbummel von diesem Brauch erzählt haben. Und nun ist der Tag tatsächlich schon vorbei.

Danach dann durchatmen, Rede geschafft. Glühwein. Und dann ans Institut. 
Die Kollegen verzogen sich noch einmal für ein pseudomäßiges halbes Stündchen an die Arbeit, während wir ein bisschen Buffet vorbereiteten und ich dem Liebsten mein Geschenk* überreichte. 
Dann trödelten langsam wieder die Kollegen ein, um den Leberkäs zu stürmen und einige gute Freunde aus Köln und Umgebung kamen hinzu.


Der Tag war ein voller Erfolg, nicht nur für den Herrn Doktor, sondern auch für seine Gäste. 

Der Dienstag war dann der kleine Montag. Spät im Bett, früh aufstehen, dunkel, kalt. Keine so gute Mischung. Und die 5  Minuten Philipps Hue "Energie tanken"-Lichtdusche brachte da auch nichts. Insgesamt nervt mich das Wetter im Moment so sehr - ich kann mich nicht erinnern, dass es mich jemals so angekotzt hat. Der Liebste hat im Rahmen seiner Diss eine gewisse Zuneigung zu Wetterstatistiken gewonnen und berichtete mir gestern, dass es im Dezember bisher genau eine Sonnenstunde in Aachen gegeben hat. Noch Fragen? Außerdem ist es so kalt, dass jetzt doch wieder meine Finger trotz Handschuhen absterben. Ich hatte erst gedacht, das hätte ich mit den seit letztem Winter gewonnenen (haha!!) Kilos hinter mir. 

Gestern Morgen zauberte ich dann dem Putzmann im Fitnessstudio mit einer Tüte selbstgebackener Plätzchen ein Lächeln ins Gesicht. Der hat sich so gefreut. Auch so ist er ein fröhlicher Mensch - insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass seine Schicht um 22 Uhr abends beginnt, und ich ihn um 5.30h morgens treffe. In der Zeit putzt er, passt auf, dass keiner Unfug treibt und bewahrt sich offenbar die gute Laune.

Ich bin nicht so der Mädelsabend-Mensch. Heute Abend rappel ich mich aber auf, weil meine liebste Aachenerin einlädt. Es gibt Plätzchen, Tee und "Tatsächlich Liebe". Bisher war der Titel dieses Films bei mir im Kopf einfach als irgendein Hollywood-Romantische-Komödien-Standard abgespeichert. Ich glaube nicht, dass ich den Film schon mal gesehen habe. Und jetzt lese ich plötzlich die ganze Zeit auf twitter, dass es DER Weihnachtsfilm sei ?!? Ich lass mich überraschen.


*richtig wahrgenommen hat er das glaube ich erst gestern, zwei Tage nach Übergabe- jedenfalls schrieb er mir da von der Arbeit "Boah Schatz, das ist ja sooo schön geworden!!!"

Sonntag, 10. Dezember 2017

Mehr als nur Plätzchen

Es war gestern Morgen, nachdem ich im Fitnessstudio war, gefrühstückt, die Sachen für das Plätzchenbacken bereit gestellt hatte und dann noch ein paar Minütchen Zeit hatte, bis meine beiden Mädels kommen würden, um das erste mal (also sie, nicht ich) deutsche Weihnachtsplätzchen mit mir zu backen. Da überkam mich plötzlich eine gewisse Vorweihnachtlichkeit. Ich freute mich über die bis dato nur wegen "Das macht man eben so" aufgestellte Minimal-Deko und machte die Lichterkette auf der Fensterbank an. Alexa rief ich zu, Weihnachtsmusik abzuspielen, und das tat sie. Und ich tanzte ein bisschen zu Last Christmas. Und ich freute mich. Auf den Tag. Und darüber, dass so vieles besser ist als vor vielen Jahren. 

Zwei Winter habe ich jetzt mit dem Plätzchenbacken ausgesetzt. Irgendwie waren mir die Regeln, wie ich das über unzählbare Jahre gehandhabt hatte, noch zu präsent. Widerstand gegen Plätzchen war und ist bei mir sinnlos - ich liebe Plätzchen einfach so sehr. Und daher wollte ich unbedingt ganz normal wie jede andere Frau gemütlich und schön Plätzchen backen zu Weihnachten, dabei Teig und warme Plätzchen naschen, ein paar behalten, ein paar verschenken. Um das einmal im Jahr genießen zu können, verzichtete ich dann aber - anders als jede andere Frau - auf jegliche weitere Nahrungsaufnahme, und überschlug die beim Backen und Naschen aufgenommene Energiemenge so großzügig, dass ich das auch noch logisch fand. In meiner damaligen Wahrnehmung hatte ich mindestens 100g Teig roh genascht, im Anschluss 200g Plätzchen gegessen. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass nur ein Bruchteil davon der Realität entsprochen haben kann.
Ja. Ich und die Süßigkeiten. Krasse Hassliebe. Dass mein Körper - gegen allen Widerstand diesen Süß-Instinkt beibehalten hat, hat mir - wie meine Ernährungsberaterin mal sagte - das Leben gerettet. Aus der minimalen Menge an Nahrung die maximale Energie zu ziehen heißt: Zucker und Fett. Ziemlich genau die Definition, was Plätzchen sind (In Wahrheit sind sie natürlich viel mehr als das 😊) In den Wintermonaten hielt ich mich über Stunden mit einem Spekulatius über Wasser. Dann wieder ein Kaffee. Nach der Mittagspause ein neuer Spekulatius. Dann war auch schon Feierabend. Zu Hause ein bisschen energieleeres Gemüse und ab ins Bett. 
Seit der Aufnahme eines "normaleren Ernährungsverhaltens" (Achtung: ich packe hier einen sehr anstrengenden, tränenreichen und herausfordernden Prozess in zwei Wörter) war ich mit der Plätzchensache auf Kriegsfuß. Plätzchenbacken, obwohl man vorher gefrühstückt hat? Vielleicht sogar danach noch etwas zu Abend essen? No way.

Dieses Jahr aber würde es gehen, wusste ich, ohne dass ich in das altbekannte Verhalten fallen würde. Vor ein paar Tagen lud ich also meine beiden Schülerinnen zum Backen ein. Beide sagten zu und ich kaufte alles ein. Als sie dann nacheinander bei mir eintrudelten, begaben wir uns gleich an die Arbeit. Sehr praktisch, beim Backen und Rezepte-Lesen gibt es viele Wörter zu wiederholen und neu zu lernen. Beide können jetzt unfallfrei Vanillekipferl aussprechen und backen. A. hat eindeutig mehr Talent, die langen Rollen zu rollen, G. dagegen bewies Kreativität, um beim Schwarzweiß-Gebäck die übrig gebliebenen Teigreste zu verarbeiten. Ein grandioser Nachmittag war das. Wir hatten sehr viel Spaß beim Backen. Und: es ist einfach sehr normal, wenn drei Frauen gemeinsam in der Küche stehen und arbeiten. Gemeinsam tranken wir im Anschluss Kaffee und aßen die ersten Plätzchen. Beide waren so begeistert von den Vanillekipferln. Ihre Eltern in Pakistan und Syrien bekamen Thumbs-Up-Fotos geschickt, nach dem Rezept wird vielleicht bald auch in Aleppo gebacken. Und beide freuten sich, den Ehemännern später die Plätzchen unter die Nase halten zu können. 


Als ich abends alleine war, war ich so unfassbar zufrieden mit dem Tag, wie ich es lange nicht erlebt habe. Und dankbar: für neue Menschen in meinem Leben, neue Erfahrungen und für mehr Gesundheit.

Dann kam der Liebste, der sich zum Lernen ins Institut verzogen hatte, heim. Wir aßen noch das Essen, das G. extra für uns gekocht  und als Gastgeschenk mitgebracht hatte. G. schrieb mir kurze Zeit später "Das war ein schöner Tag. ich bin glücklich für diesen Tag".